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Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe e.V.

Therapie


Jeder suchtmittelabhngige Brger in Deutschland hat ein Recht auf akutmedizinische und entwhnungsorientierte Behandlung, denn Sucht ist nach internationaler Diagnostik (ICD 10) und der Rechtsprechung der obersten Gerichte in Deutschland eine behandlungsbedrftige Krankheit. Um Verzgerungen, Missverstndnisse und Ablehnungen zu verhindern, sollte mglichst frhzeitig der sachverstndige Rat ehrenamtlicher und professioneller Helfer gesucht werden.

Wie erfolgt die Behandlung von Abhngkeitserkrankungen?

Die Behandlung umfasst nach der Vereinbarung Abhngigkeitserkrankungen vom 04.05.2001 die akutmedizinische Versorgung (Entgiftung bzw. Entzug) sowie die sozialmedizinisch und psychotherapeutisch geprgte Rehabilitationsbehandlung (Entwhnung), die als ambulante oder stationre Form medizinischer Rehabilitation erfolgen kann.

Die akutmedizinische Entgiftungsbehandlung (mit Entzug ist dieselbe Behandlungsform gemeint) erfolgt in aller Regel auf rztliche Veranlassung oder als Notfall in den entsprechenden Abteilungen der psychiatrischen Landeskliniken oder der Allgemeinkrankenhuser. Die Kosten der Entgiftungsbehandlung trgt die Krankenkasse oder der Sozialhilfetrger. Die Behandlung kann bis zu 3 Wochen dauern (einschlielich einer Motivierungsphase im Rahmen der qualifizierten Entzugsbehandlung').

Die Entwhnungsbehandlung (medizinische Reha) soll sich mglichst nahtlos an die Entgiftungsmanahme anschlieen. Je nach Diagnose und Indikation kann sie entweder angetreten werden
  • in einer anerkannten Psychosozialen Beratungsstelle (ambulante Reha) oder
  • in einer Tagesklinik (ganztägig-ambulante bzw. teilstationäre Reha) oder
  • in einer spezialisierten Fachklinik bzw. der Entwöhnungsabteilung eines Psychiatrischen Krankenhauses (stationäre Reha).
Die stationre Behandlung dauert in Abhngigkeit von der Indikationsstellung i.d.R. zwischen 3 und 9 Monaten, bei Bedarf schließt sich eine Adaptionsbehandlung zur Unterstützung der Re-Integration an. Die Kosten der Entwhnungsbehandlung trgt entweder der zustndige Rentenversicherungstrger oder auch die Krankenkasse bzw. der Sozialhilfetrger. Kein Empfnger von Sozialleistungen muss befrchten, schlechter behandelt zu werden als ein Versicherungspatient. Auch Arbeitslose und ltere Brger haben nach Recht und Gesetz einen einklagbaren Anspruch auf Entwhnung bzw. deren Finanzierung.

Bei Beamten sind die jeweils geltenden beamtenrechtlichen Versorgungsregelungen zu bercksichtigen. Private Krankenkassen haben leider berwiegend die Suchtbehandlung vertraglich aus ihrer Leistungsgewhrung ausgeschlossen, hier kann ggf. auf Kulanzbasis eine Kostenbernahme erreicht werden. Selbstzahler knnen sich nach Klrung der sozialen, medizinischen und finanziellen Fragen wegen eines Aufnahmetermines ber die Beratungsstelle direkt mit der Klinik in Verbindung setzen.

Was kann ich als Betroffener tun?

Jede/r Betroffene kann und sollte sich ausfhrlich beraten lassen. Eine qualifizierte Beratung ist im Krankenhaus (Sozialdienst) möglich oder bei Psychosozialen Beratungsstellen. Auch Selbsthilfegruppen stehen mit Rat und Tat zur Seite. Die Anschriften von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen knnen bei den Verbnden der Freien Wohlfahrtspflege (Diakonie, Caritas, Paritätischer u. a.), bei den Abstinenzverbnden (Blaues Kreuz, Freundeskreise fr Suchtkrankenhilfe, Guttempler-Orden, Kreuzbund, Anonyme Alkoholiker u. a.) sowie bei den Sozial- und Gesundheitsmtern erfragt werden. Ausknfte erteilen auch die Einrichtungen und die Geschftsstelle des Verbandes.

Mageblich fr die Beantragung einer Behandlung sind formale und inhaltliche Kriterien.

Formale Kriterien:

  • Die Mindest-Versicherungszeiten / Beitragszahlungen mssen gegeben sein (Beratung durch Ihre Versicherung),
  • ein medizinisches Gutachten muss die Notwendigkeit der Entwhnungsbehandlung besttigen (Arzt, Beratungsstelle),
  • ein Sozialbericht muss erstellt werden (Beratungsstelle, Sozialdienst),
  • ein frmlicher Antrag muss gestellt werden (Beratungsstelle, Sozialdienst), auf Vollstndigkeit aller Unterlagen achten.

Inhaltliche Kriterien:

  • Alle Kostentrger fordern von den Betroffenen ein Minimum an Krankheitseinsicht und den Mut zur Therapie und Nachsorge (sog. Motivation). Die Freiwilligkeit der Betroffenen ist also eine zwingende Voraussetzung für die Therapie.
  • Es muss die Aussicht bestehen, dass nach der Entwhnungsbehandlung die Leistungsfhigkeit im Arbeitsleben wieder hergestellt werden kann. Dies kann auch bei Arbeitslosigkeit gegeben sein, denn gerade die stationre Behandlung (Arbeitstherapie, Praktika) verbessert die Chancen im Hinblick auf eine Erwerbstätigkeit erheblich.
ber den Antrag muss binnen von sechs Wochen entschieden sein (Bewilligungsverfahren), in besonderen Fllen ist ein Eilverfahren' mglich. Sind alle diese Voraussetzungen gegeben, muss der Leistungsträger (Rentenversicherung) die Maßnahme bewilligen. Fehlt es an der gnstigen Prognose zur Wiedereingliederung in das Erwerbsleben, mssen Krankenkasse oder Sozialhilfe die Behandlung finanzieren. Eine ablehnende Entscheidung muss begrndet sein, gegen diese ist (kostenfrei) Widerspruch mglich. Die Erfahrungen zeigen, dass solche Einwendungen oft erfolgreich sind. Detaillierte Informationen zur Entwhnungsbehandlung, zu den Leistungsvoraussetzungen sowie zum Antrags- und Bewilligungsverfahren sind auf der Internet-Seite der Deutschen Rentenversicherung zu finden unter Rehabilitation > Leistungen > Medizinische Rehabilitation'.

Wie finde ich die richtige Klinik?

Ist die Behandlungsbedrftigkeit diagnostisch geklrt und sind die vorgenannten Voraussetzungen erfllt, so konzentriert sich das Beratungsgesprch mit der Beratungsstelle bzw. dem Sozialdienst darauf, welche Therapie nach Art, Ort und Dauer die fr die/den Betroffene/n am besten geeignet ist (Indikation). Im Mittelpunkt stehen hierbei stets die eigenen Vorstellungen der Betroffenen. Zu folgenden Fragen muss eine Antwort gefunden werden:
  • Reicht eine ambulante bzw. ganztägig-ambulante Entwhnungsmanahme aus oder ist die stationre Behandlung in einer Klinik sinnvoll (auch Kombinationen sind mglich)?
  • Welche Behandlungsdauer gebietet das Krankheitsbild? Diese Frage kann auch noch whrend der stationren Therapie entschieden werden, individuell sind Verkrzungen oder Verlngerungen mglich.
  • Ist eine Klinik in der Region (erreichbar fr Familie und Freunde) oder in weiterer Entfernung bspw. mit entsprechender Spezialisierung sinnvoll? Der Vorzug der Regionalitt besteht in direkten Kontakten zu Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen, Betrieben, Arbeitsmtern etc.
  • Welche Einrichtungsart ist geeignet? Je nach persnlicher Verfassung ist eine reine Frauen- bzw. Mnner-Klinik einer gemischten' vorzuziehen bzw. ein kleineres Haus dem greren ... und umgekehrt. Wichtig ist auch das Angebotsspektrum der Klinik fr bestimmte Zielgruppen (bspw. psychische Begleiterkrankungen, Aufnahme von Kindern).
Hat sich fr die/den Betroffene/n bereits zuvor (in Selbsthilfegruppen, mit Kollegen) oder durch die Beratung der Wunsch auf die Behandlung in einer bestimmten Einrichtung verdichtet, so ist dieser Wunsch im Sozialbericht festzuhalten und fr den Kostentrger verbindlich (Wunsch- und Wahlrecht des Versicherten). Wird der Anregung im Sozialbericht und dem dort festgehaltenen Wunsch des betroffenen Brgers nicht entsprochen, muss dies seitens des Leistungstrgers begrndet werden. Gegen den ablehnenden bzw. modifizierenden Bescheid ist Widerspruch mglich. In der Mehrzahl der Flle wird sodann den Vorstellungen im Sozialbericht gefolgt. Insgesamt ist festzuhalten, dass zwar der Leistungstrger Art, Ort und Dauer der Entwhnungsbehandlung unter Bercksichtigung der Schwere der Krankheit und der persnlichen Verhltnisse des Abhngigkeitskranken bestimmt, bei der Bestimmung der Einrichtung die im Sozialbericht enthaltenen Anregungen sowie die Wnsche der Betroffenen aber angemessen, d.h. nach pflichtgemem Ermessen, bercksichtigt werden mssen.

Unter www.therapieplaetze.de finden Sie weitere Informationen ber die Therapieangebote der Mitgliedseinrichtungen des ‚buss’.

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Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe e.V. | Wilhelmshöher Allee 273 | 34131 Kassel
Telefon: 05 61 / 77 93 51 | Telefax: 05 61 / 10 28 83 | E-Mail: buss@suchthilfe.de